#CampQ
Kontrollwahn

Unternehmen stehen an historischen Wendepunkten. Wie einfach es sein könnte, diese zu meistern

„Stimmt!“ mag man den Autorinnen beipflichten, es könnte alles so einfach sein, wenn … ja, wenn das Wörtchen WENN nicht wäre! Wenn nicht die strikten Zielvorgaben wären. Wenn nicht diese Bürokratie wäre. Wenn nicht die starren Hierarchien wären. Machen wir endlich Schluss mit dem Kontrollwahn, lassen wir wieder Kreativität und Leidenschaft freien Lauf – der Blog von Dorothea Assig und Dorothee Echter ist ein Weckruf für Führungskräfte, mit Mut und Haltung in die Zukunft zu führen. Und damit eine Steilvorlage für unser Camp Q 2019.

Noch nie waren Führungspersonen in Unternehmen so gut ausgebildet, so sorgfältig ausgewählt, so interessiert, so umfassend informiert, so engagiert. Menschen lieben ihre Arbeit. Und fühlen sich nicht ihrem Unternehmen verbunden. Sie fühlen sich nicht wertgeschätzt. Obwohl die klügsten Menschen in den HR-Abteilungen unermüdlich und mit den besten Absichten an Personalentwicklungsmaßnahmen feilen, neue ausprobieren, verwerfen, umsetzen. Alles hochspezialisierte Expertinnen und Experten mit millionenschweren Budgets.

Hier die brillanten Einzelnen – dort die ausgezeichneten HR-Profis. Könnte doch Großes möglich machen, Innovationen, Chancen, Wachstum? Wie kommt es dann zu Resignation, innerer Kündigung, Motivations- und Tempoverlust? Weil sich wie nebenbei, quasi autonom, die ausgefeiltesten Kontrollmechanismen eingeschlichen haben.

Was als Entwicklungsplan für große Karrieren begann, hat sich zu einem desaströsen Kontrollwahn ausgeweitet. 

Stellenbeschreibungen, Führungsrichtlinien, Wertesysteme, Zielsetzungsrituale, Leistungsbeurteilungen, Evaluierungen, Assessment Centers, Intelligenz- und Persönlichkeitstests, das Ausrichten an Standards und Durchschnittswerten, das Einordnen in Kompetenz- und Potenzial-Portfolios und so weiter und so fort. Mit dieser Mess-, Vergleichs- und Konkurrenz-Maschinerie, die wir als Kontrollwahn bezeichnen, hat sich eine fatalistische „Ist-eben-so-Mentalität“ eingeschlichen, als wären das Sicherheitsbedürfnis und alle daraus resultierenden Kontrollinstrumente unvermeidlich.

Haben diese Maßnahmen zu besseren Ergebnissen in der Personalauswahl, in der Personalführung geführt? Zu mehr Innovationen? Zu reibungsloseren Transformationsprozessen? Nein! 

Das Gegenteil wurde erreicht, die Einstellungsprozesse im Management werden langsamer, die Versetzungen und Kündigungen dagegen immer schneller entschieden: „Sie konnte ihre PS nicht auf die Straße bringen.“, „Was ist nur aus diesem talentierten Start-up-Unternehmer bei uns geworden?“ Die Seminar-, Workshop-, Coaching-Frequenzen steigen – ohne Ergebnisse. Die Prozesse werden komplexer, Konformität und Compliance wird schwierig bis unmöglich. Immer mehr Zeit wird gebraucht, um alle Zahlen so aufzubereiten und zu bewerten, dass der Vorstand sie verstehen und akzeptieren kann. Hochbezahlte Topmanager beschäftigen sich mit Datenaufbereitung für den Vorstand, statt gut vorbereitete Geschäfte in Mexiko zu tätigen. Die Entwicklung ist nachhaltig: Allmählich ersetzt die extrinsische Motivation, die auf die Kontrollwerte zielt, die intrinsische Motivation, die das Unternehmen in eigenen Feldern weiter entwickeln möchte.

Alle ambitionierten Managerinnen und Manager erleben in Unternehmen diesen ausufernden Kontrollwahn und suchen nach Möglichkeiten, ihre Selbstwirksamkeitsüberzeugung beizubehalten, ihrer Ambition treu zu bleiben, ihre intrinsische Motivation aufrecht zu erhalten. Denn sie wissen: Dies ist eigentlich der perfekte Ort, um erfüllt zu arbeiten, sinnvoll zum Unternehmenswohl beizutragen. Die Aufgabe ist zu spannend, die Lösungen so naheliegend. Ihre Teams ziehen begeistert mit. Was bitte sollen sie in einem dreiwöchigen Leadership-Seminar? Ihre Schwächen erkennen und sie ein bisschen weniger schwach machen? Sie fühlen sich frustriert und im Seminar selbst gelangweilt.

Der Kontrollwahn in Unternehmen kann leicht abgeschafft werden!

Unternehmen stehen an historischen Wendepunkten. Die Besten der Besten sind schon da und geben alles, damit die Digitalisierung gelingt, Innovationen zügig umgesetzt werden, ihr Unternehmen erfolgreicher wird.

Was Unternehmen brauchen, ist eine neue Stimmung, eine Vorstellung, was geschehen könnte, wenn der überbordende Kontrollwahn eingedämmt und diese Haltung kultiviert wird:

  • Unser Unternehmen ist der Ort, an dem Höchstleistungen einfach geschehen.
  • Die Besten sind schon da, die alles bewirken können.
  • In unserem Unternehmen ist uns alles möglich.
  • Alle haben das beste und neueste Wissen und wollen etwas bewegen und anspruchsvoll wirken.
  • Die Ambition aller kann sich frei entfalten und wir können zum Höchstleistungszentrum, zum Start-up-Konzern, zum Champion werden.

Der Kontrollwahn war nicht immer da, er ist nicht naturgegeben. Er ist neu und kann leicht abgeschafft werden. Problemlos. Dann können Unternehmen so werden, wie sie immer sein wollten: Höchstleistungszentren, Talentschmieden, Wachstumszellen, Weltmarktführer. Aus sich heraus. Wir nennen es Ambition Management.



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