Persönlichkeit

Persönlichkeit zählt – Gekonnter Auftritt auf allen Bühnen

Die digitale Transformation schlägt Wellen – nicht nur in Bezug auf die Disruption bei Geschäftsmodellen in Unternehmen oder bei der Gestaltung der Arbeitswelt von morgen. Verbunden ist damit zunehmend auch die Frage nach der Beurteilung von Kompetenzen und Werten in der Zukunft. Gelten noch Erfolge und Verantwortung als Maßstab? Oder sind schon bald Likes und Clicks die neue „Währung“? Wir alle stehen auf der „Bühne des Lebens“ – es liegt an uns, wie wir uns dort präsentieren. Damit fordert Netzwerk-Expertin Martina Haas nichts Geringeres als die Selbstreflexion über sich, das Verhalten und die Werte. Nicht umsonst stellt das Camp Q 2019 daher neben Mut gerade auch die Frage der Haltung in den Vordergrund für eine wirksame wie auch zukunftsfähige Führung.

 

Die Bühne des Lebens

Schauspieler, Musiker, Sänger, Tänzer und Artisten haben eines gemeinsam: Sie stehen permanent im Rampenlicht. Doch nicht nur sie bespielen Bühnen. In ähnlicher Form gilt dies auch für Politiker, Fernsehmoderatoren, Lehrende, professionelle Redner und Experten. Der Kreis lässt sich erweitern um Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler, die jeden Tag an der Front sind – bei Kunden und Kooperationspartnern ebenso wie bei Mitarbeitern. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Jeder in leitender Position steht auf der Bühne – Führungskräfte der obersten Hierarchiestufe ebenso wie ein Team-, Schicht- oder Projektleiter. Sie gehören als Nachwuchskraft, Sachbearbeiter oder Verwaltungsmitarbeiter nicht zu den Erwähnten? Sie sollten sich trotzdem nicht entspannt zurücklehnen, weil Sie glauben, Sie hätten keine Bühne zu betreten. Vergessen Sie’s. Das Gegenteil ist der Fall.

Bühne ist immer und überall, wenn Sie nicht als Eremit in der Einsamkeit leben. Das Business erwartet, dass wir uns exponieren. Wir buhlen um Aufmerksamkeit und agieren daher für mehr Bekanntheit auf den verschiedensten Plattformen, um nicht im Heer vergleichbar Guter unterzugehen. Das ist Chance, Risiko und Verpflichtung, denn auch in Zeiten des echten oder gefühlten Fachkräftemangels konkurrieren wir um die interessantesten und lukrativsten Jobs, Aufträge und Projekte.

Von Profis lernen 

Da wir uns täglich mehr oder weniger virtuos auf den Bühnen des Lebens tummeln, sollten wir von den Profis der institutionellen Bühnen wie Theatern, Konzertsälen, Filmsets, Parlamenten und selbst den Kirchenkanzeln lernen. Deren Erfolgsrezepte funktionieren auch bei unseren sog. Brotberufen, wenn wir darauf achten, authentisch zu bleiben. Wer nur spielt, sich stets hinter einer Maske versteckt, verspielt leicht Vertrauen. Menschen spüren sofort, ob jemand „echt“ ist und wirklich etwas zu sagen hat. Auch kalte Rhetorik ist nicht zielführend.

Schauspieler arbeiten nicht nur am sprachlichen Ausdruck, sondern auch an der Körpersprache, insbesondere an Mimik und Gestik, und der Stimme. Es geht um das Gesamtpaket an Ausdrucksmöglichkeiten, denn unser Tun spricht mehrere, wenn nicht alle Sinne der Empfänger an. Techniken zu beherrschen, macht noch keinen guten Schauspieler aus: Es geht um das Mindset, die Einstellung zur Arbeit, die Leidenschaft für den Beruf, das Charisma. Es braucht den Willen, jeden Abend auf der Bühne das Beste zu geben – auch bei der 100. Aufführung von Macbeth, auf kleinen Bühnen vor wenig Publikum, als Zweitbesetzung, bei Erkältungen und bei all den Unannehmlichkeiten, die das Leben bisweilen bereithält. Es geht bei einer gelungenen Performance um innere und äußere Haltung. Nur mit beidem machen wir bella figura.

Performance mit Sinn und Exzellenz

Wer etwas erreichen will, strebt nach Exzellenz – sei es in der Kunst, der Wirtschaft oder Wissenschaft. Zur Exzellenz gehört auch, Verantwortung zu übernehmen – im Ensemble, im Orchester, im Team: Wenn nur einer schlampig spielt, weil er sich nicht konzentriert, nicht genügend geprobt hat, ruiniert er die Arbeit von zig Menschen, die höchsten Einsatz zeigen. Im Team müssen wir uns aufeinander verlassen können. Die Definition von „T.E.A.M. = toll ein anderer machts“, geht gar nicht. Eine solche Haltung beschädigt das Team. Ein Teamleader, der das duldet, untergräbt mit dem Teamgeist zugleich seine Autorität.

Wir sollten den Teambegriff nicht zu eng fassen. Am Theater, bei Festivals, bei Filmproduktionen sind die brillantesten Stars verloren, wenn die Bühnentechnik versagt. Ähnlich geht es uns, wenn der Beamer oder das Mikrofon auf der Konzernjahreskonferenz streiken. Man sollte daher nie die geringschätzen, die dafür sorgen, dass die Technik läuft, die Infrastruktur steht, und genügend Verpflegung da ist. Der Einfluss von Hausmeistern, Assistentinnen und anderen hilfreichen Geistern auf unseren Erfolg wird oft unterschätzt. Dieter Kosslick, der Festival Direktor der Berlinale, brachte es im Interview mit mir auf den Punkt: „Manchmal brauche ich für die Landung des Privatjets eines Stars eine Ministererlaubnis, manchmal reicht es, wenn ein Verwaltungsmitarbeiter die Ampeln auf Grün schaltet, damit der Star zum Festivalort durchfahren kann.“

Persönlichkeit zählt 

Wie gut Menschen ihren Job machen, hängt entscheidend von ihrer Haltung ab. Jeder Laie spürt, wie andere unterwegs sind, ob es primär um das Ego oder um Leidenschaft für ein Thema, ein Produkt, eine Dienstleistung oder Menschen geht. Wenn beides zusammenkommt, ist das legitim, denn es ist möglich, die Interessen seines Arbeitgebers zu verfolgen und zugleich bella figura in eigener Sache zu machen. Das führt zu einem weiteren Gedanken: Mitarbeiter sollten stets in dem Sinn im Dienst sein, dass sie sich als Botschafter ihres Unternehmens oder ihrer Institution betrachten – auch außerhalb der Geschäftszeiten. Wir sind ohnehin selten ganz privat, was viele vergessen, wenn sie bei Facebook und Co unterwegs sind.

Es gibt leider eine Tendenz, Menschen ohne Ecken und Kanten einzustellen. Zudem bevorzugen Vorgesetzte Personen, die ihnen insbesondere bezogen auf die Herkunft ähneln. Das führt im worst case zu homogenen Strukturen mit austauschbaren Funktionsträgern, die Innovationen nicht beflügeln. Neues entsteht aus dem kritischen Diskurs und der Zusammenarbeit unterschiedlichster Professionen und Menschentypen. Wir haben Sehnsucht nach Lichtgestalten wie Steve Jobs und „echte Typen“ und sind dankbar für Menschen mit Persönlichkeit – authentisch, mit Meinung und Haltung. Eine eigene Meinung zu haben, erfordert in manchen Strukturen Mut. Es bedarf einer entsprechenden Unternehmenskultur. Diese ist nicht allein Chefsache, sondern wird von den Mitarbeitern mitgeprägt. Jeder ist in der Verantwortung.

Mehr Präsentainment – Information ist nicht genug

Künstler und andere Entertainer unterhalten Menschen, andere vermitteln Informationen und Wissen. Manche tun beides oder sollten es zumindest. Reine Informationsvermittlung ist längst nicht mehr genug: Infotainment und Präsentainment sind State of the Art. Die Ansprüche wachsen. Es lohnt sich daher, permanent an der Performance inklusive Haltung zu arbeiten! Wir sollten versuchen, jeden Tag die bessere Fassung unseres Gestern zu sein.

Es geht nicht darum, sich wie ein Pfau zu plustern. Es geht darum, unser Wissen, unsere Kompetenz und unsere Produkte oder Dienstleistungen professionell in Szene zu setzen. Nur so erreichen wir diejenigen, die wir erreichen wollen, um sie in einem bestimmten Kontext voranzubringen oder ihnen etwas zu verkaufen. Klar ist: Langweilig hat ausgedient. Langweilig kann jeder. Wir verlieren unsere Gesprächspartner, Zuhörer, Leser immer schneller. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt. In Zeiten des Informationsoverloads gilt es daher, sich von der Masse abzuheben, um persönliche und übergeordnete Ziele zu erreichen.

Allzeit bereit – Erfolgsbooster Lächeln 

Lächeln Sie! Und zwar nicht nur, wenn Sie Ihre Kunden besuchen oder diese Ihr Geschäft betreten. Ich selbst fühle mich wie alle „freischaffenden Künstler“ der Wirtschaft immer im Dienst. Der altbekannte Scherz, selbstständig heißt: selbst und ständig, hat etwas Wahres. Er lässt sich in gewissem Sinn auch auf Mitarbeiter übertragen: Jeder, der uns begegnet, ist ein potenzieller Kunde oder Multiplikator, in jedem Fall aber eine Chance. Damit ist Professionalität nicht nur von 9 bis 17 Uhr gefragt. Mitarbeiter sollten sich als Botschafter und Botschafterinnen ihres Unternehmens, ihrer Organisation fühlen und im Gegenzug von ihrem Arbeitgeber als verantwortlich handelnde Mitarbeiter wertgeschätzt werden.

Auch privat befinden wir uns permanent auf einer Bühne: Schon morgens beim Aufwachen, wenn uns unsere Katze oder unser Lieblingsmensch anschaut, uns der Hund freudig sein Spielzeug hinlegt, betreten wir die erste. Egal wie wir drauf sind: Hund, Katze und Mensch freuen sich gleichermaßen über ein Lächeln, ein freundliches „Guten Morgen.“ Das Beste ist: Reflexartig wird zurückgelächelt, der Hund wedelt mit dem Schwanz, die Katze wird uns umschmeicheln und sich eine zusätzliche Streicheleinheit abholen. Eine freundliche oder besser: herzliche Begrüßung der Mitbewohner sollten wir auch an Tagen hinbekommen, an denen wir schlecht gelaunt oder erkältet sind, ein volles Programm im Job oder eine Besprechung mit dem schwierigsten aller Kunden vor uns haben.

Und nicht nur dass: Schenken Sie auch dem Menschen, der Ihnen im Badezimmerspiegel verschlafen oder nach einer Party verkatert entgegenblickt, ein Lächeln. Das tut Ihnen gut, weiß die Hirnforschung. Zudem haben Sie es verdient, denn Sie sind Ihr wichtigster Mensch. Er ist den ganzen Tag für Sie da. Sie sollten ihn bei Laune halten.

Wir sollten darüber hinaus auch, nein gerade den weniger Angenehmen ein Lächeln schenken. Sie brauchen es am meisten. Probieren Sie es aus. Sie werden Erstaunliches erleben. Auch das ist eine Frage der Haltung: Ich entscheide, wer mir den Tag verderben darf. Wir wissen nicht, wieso manche so drauf sind, wie sie es sind. Sie haben vielleicht ein schweres Päckchen zu tragen. Schlimmstenfalls trifft das Bonmot den Kern: „Lächeln ist die kürzeste Art dem Feind die Zähne zu zeigen.“

Bühne schafft Bühne

Wir sollten alle Bühnen, die das Leben bereithält, nutzen. Sie bieten große Chancen: Insbesondere erhöhen sie unseren Bekanntheitsgrad und erweitern unseren Aktionsradius. Das ist wichtig für den Auf- und Ausbau starker Netzwerke. Wer sichtbar ist, wird bei der Vergabe von Aufträgen und interessanten Jobs eher berücksichtigt als Mauerblümchen. Es reicht nicht, gut in seinem Job zu sein, die Richtigen und Wichtigen müssen das auch mitbekommen. Wer vorankommen möchte, muss es in den Fokus der Entscheider schaffen. Die Kür nach der Pflicht ist, die Bühne nicht nur zu erobern, sondern sie selbst zu erschaffen. Hierfür wünsche ich Ihnen kreative Ideen und einen beflügelnden Musenkuss.

 



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