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New Work

New Work über den Tellerrand hinaus – Inspirationen einer Modernen Walz

Wie wird eigentlich in anderen Ländern und Kontinenten moderne Arbeit gelebt? Mit dieser Frage bin ich mit meiner Geschäftspartnerin und Frau Anna losgezogen, insgesamt in 35+ Länder und über 15 Monate. Weiterhin mit Kunden in Deutschland arbeitend, z. B. durch Remote Coaching und Beratung, sind wir auf #modernworktour – eine “Moderne Walz” gegangen. Derzeit sind wir in Afrika*.

 

 

Was lernt man also, wenn man mit offenem Blick und Mindset nach Afrika reist? Wenn man die ganzen negativen Berichte und Schlagzeilen zwar wahrnimmt, aber nicht in den Fokus rückt? Ich bin immer interessiert an neuen Narrativen, neuen Sichtweisen und natürlich – an neuen Erkenntnissen für New Work und die eigene Arbeit. In Afrika erlebe ich genau das – mutige junge Menschen, die ihre Arbeit anders gestalten wollen als zuvor. Sie nutzen die Technik, um auf neue Art und Weise die Herausforderungen (meistens im eigenen Land) anzugehen – kreative Lösungen zu finden, ist was uns auf dieser Reise am meisten beeindruckt.

Wir reisen auf unserer #modernworktour_africa, unserer “Modernen Walz”, durch 9 Länder an der West-, Ost- und Südküste Afrikas. So kommen wir z. B. nach Ghana, Nigeria, Ruanda, Kenia und Südafrika. Diese Reise wird unser Leben und unsere Arbeit für immer bereichern. Wir lernen inspirierende Menschen, spannende Unternehmen und tolle Problemlöser kennen. Der Ansatz New Work ist dabei den allermeisten kein Begriff, sinnstiftende Arbeit zu gestalten, also der Kern von New Work, hingegen schon.

Ghana

Wir treffen in Ghana die ehemalige Miss Universe Ghana: Akpene ist eine beeindruckende Frau. Sie hat ihr eigenes Unternehmen gegründet und unterstützt unter anderem junge Frauen / Mädchen, sich mit digitalen Skills und dem eigenen Purpose, also dem eigenen Sinn in ihrem Tun auseinanderzusetzen. Ihre Kernaussage ist: Wenn wir jungen Menschen nicht beibringen sich selbst zu reflektieren und einen Sinn zu finden, wie können wir dann die Herausforderungen der Zukunft proaktiv angehen?

© Nils Schnell

Ruanda

In Ruanda treffen wir dazu passend Youssuf, Gründer des Unternehmens BAG Innovations. Der Slogan des Unternehmens lautet: Building a Generation. Ähnlich wie es auch in Deutschland ist, hat er erkannt, dass es einen Graben zwischen Ausbildung und Beruf gibt. Es fehlen konkrete, praktische Tipps und das Wissen, um für die Arbeitswelt gewappnet zu sein. Genau hier setzt er mit BAG an: Jungen Menschen zu helfen, ganz konkrete Ideen und Erkenntnisse über die eigenen Kompetenzen sowie über die eigenen Wünsche zu erhalten.

Proaktiv den eigenen Lebensweg zu gestalten, ist das, was uns immer wieder in Afrika begegnet. Selbst aktiv zu werden, selbst seine Zukunft in die Hand zu nehmen und dabei seinen Sinn zu finden. Den Satz: “Now it’s up to us!” hören wir immer wieder. Bei einer so jungen Bevölkerung und dem zweitgrößten Markt der Welt sicherlich ein guter Ansatz – auch hier passend zu New Work. Dabei ist es auch beeindruckend, wie “street smart” die Menschen sind, die wir treffen. Kreative Lösungen zu finden, die so logisch wirken und dennoch erst einmal entstehen müssen.

Was lerne ich für Deutschland?

In einer immer älter werdenden Gesellschaft, in einer Wirtschaft, die den Anschluss zu innovativen Ländern langsam und schleichend verpasst, ist es das allerwichtigste, junge Menschen dabei zu unterstützen einen Unterschied machen zu können. Egal ob in der Schule, in der Ausbildung oder im Berufsleben – wir brauchen mehr Mut dazu! Jungen Menschen hilft eine Begleitung bei der Sinnfindung.

Konkret können Unternehmen Selbstführung anbieten und junge Menschen proaktiv einbinden, wie z. B. bei PWC in Lagos, Nigeria: Dort gibt es einen Beirat für die Geschäftsführung, der nur aus jungen Menschen besteht. Weil sie dort erkannt haben, dass die Ideen und Einblicke der jungen Generation unglaublich wichtig und richtungsweisend sind.

Wir müssen Hürden in Deutschland noch mehr abbauen, wir müssen uns mehr miteinander verbinden – über Hierarchie und Machtstrukturen hinaus. Denn gemeinsam können wir nicht nur viel schaffen, gemeinsam sind wir auch stark. Gerade im Land der Denker und Erfinder. Dann wird es möglich, wieder innovativer zu werden, neue Möglichkeiten zu schaffen und erfolgreich gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Dafür brauchen wir weniger Ego und mehr Mut, weniger Hierarchie und mehr Kollaboration, weniger ich und mehr wir. Es ist eigentlich ganz einfach.

Was lerne ich für meine Arbeit?

Auch ich darf noch mutiger werden. Bei uns haben wir schon immer die “no bullshit rule”, also Kunden keine Dinge anzubieten, die keinen Sinn machen. Doch ich werde durch die Einblicke in so viele verschiedene Arbeitskulturen noch mehr aufzeigen, was meiner Meinung nach Sinn macht, was meiner Erfahrung nach problematisch ist – hier kann ich jetzt noch besser werden.

In Australien hat eine Innovations- und Change Managerin gesagt: “Every interaction counts” – jede Interaktion zählt. Wenn ich aufzeige, was ich als Schmerzpunkte wahrnehme, selbst wenn es unbequem ist, mache ich genau das Richtige. Es ist nicht immer das, was Unternehmen hören möchten. Es ist nicht immer das, was einem im Vorgespräch den Auftrag oder den Rahmenvertrag einbringt – aber es ist das, was richtig ist, wenn es um SINN-Arbeit geht. Sinnstiftende Arbeit kann ich dann leisten, wenn ich das formuliere und anbringe, was meiner Meinung nach wirklich sinnvoll ist. Dafür musste ich erst einmal mutiger werden und unsere Kunden natürlich auch. Wenn das jedoch klappt, dann kann man sofort besser zusammenarbeiten und gemeinsam New Work leben und gestalten.

Gerade mittelständische Unternehmen, die sich bisher wenig mit New Work, aber sehr mit Digitalisierung und der Technik selbst beschäftigt haben, besitzen hier ein besonders großes Potenzial: Sie können neben einer soliden technischen Grundlage jetzt schon anfangen ihre Zukunft für moderne Arbeit zu gestalten, die über die Implementierung einer neuen App oder Software hinausgeht. New Work bedeutet hier nämlich, auch den Menschen in den Blick dieser neuen Arbeitsweisen zu nehmen – aus einer Stärke heraus, bevor die KMU in Deutschland dazu gezwungen werden.

In Afrika habe ich das Gefühl, dass es gerade die jungen Menschen sind, die hierzu aufrufen. Ist das nicht ähnlich wie bei uns? Ich würde sagen schon – nur müssen wir denen, die Ideen haben, auch eine Stimme geben. Bei uns in Deutschland gibt es weniger junge als alte Menschen. Das darf uns nicht zum Nachteil werden, sondern sollte als ein Vorteil genutzt werden. In unserer Arbeit versuchen wir immer, den Fokus auf die Ideen und die Inhalte zu setzen, unabhängig von Alter, Position und Rolle. Wir wünschen Unternehmen, sich den Ruck zu geben, modernes Arbeiten proaktiv anzugehen, ob mit oder ohne Hilfe. Stück für Stück und Schritt für Schritt. Jede Interaktion, jeder Impuls zählt.

Zum Abschluss 5 Fragen für die eigene Reflexion

  1. Welcher nächste Schritt hin zur Veränderung ist bei dir eigentlich wirklich fällig?
  2. Was sind drei Dinge, die du nun aufhören solltest zu tun, weil sie inzwischen keinen Mehrwert mehr bringen?
  3. Wie kann Remote Work, also ortsunabhängiges Arbeiten, allen mehr Flexibilität bringen?
  4. Wie gut wird Selbstführung im Unternehmen wirklich unterstützt? Gibt es hierzu bereits aktive Initiativen?
  5. Wenn du Angst, Sorgen und Befürchtungen für einen Moment vergessen darfst, was ist dein nächster großer Schritt?

 

*Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie ist der Autor seit Anfang April wieder in Deutschland.



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