#CampQ19

Governance-Reform: Ein neuer Kodex für eine neue Kultur in Unternehmen!

Einige von Ihnen werden sich erinnern: 2017 kündigte Rolf Nonnenmacher, Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK), vollmundig eine „tiefgreifende“ Kodex-Reform an. Ich habe das damals sehr begrüßt und war zunächst guter Dinge, dass endlich ein großer Wurf gelingt.

Doch spätestens, als die Kommission im November ihren halbherzigen Entwurf vorgelegt hat, ist diese Hoffnung in Enttäuschung umgeschlagen. Und ich fürchte: Trotz immer lautstärkerer Kritik wird die Kommission keine Kehrtwende vollziehen, sondern im Rahmen des laufenden Konsultationsverfahrens allenfalls Detailänderungen vornehmen.

Das hieße, dass der Corporate Governance Kodex auch in den kommenden Jahren aus einer Vielzahl kleinteiliger Empfehlungen und Vorgaben besteht, die immer mehr Verantwortliche als bürokratisch und bevormundend empfinden. Dazu zählt zum Beispiel der renommierte Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley, der kurz vor Weihnachten in einem Handelsblatt-Interview vorgeschlagen hat, den Kodex „in Gänze abzuschaffen“. Er habe sich „überlebt“.

Ich bin überzeugt: Der Corporate Governance Kodex ist in seiner jetzigen Form unbrauchbar. Wir brauchen tiefgreifende Veränderungen und eine völlig neue Corporate-Governance-Kultur, wenn wir die Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Deutschland voranbringen wollen.

Mut

Gehorchen statt diskutieren?

Meine Mitstreiter bei der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) und ich haben uns deshalb entschlossen, in den kommenden Wochen eine breit angelegte Vorstands- und Aufsichtsratsinitiative für eine tiefgreifende Reform im Bereich Corporate Governance anzuschieben.

Kern des Übels ist aus meiner Sicht: Hinter dem derzeitigen DCGK steht die weltfremde Vorstellung, dass es eine optimale Corporate Governance gibt, die alle Unternehmen anstreben sollten. Dieser Grundgedanke findet nicht nur in der Detailtiefe, sondern auch in der gesetzlich vorgeschriebenen „Entsprechenserklärung“ ihren Ausdruck. Deren unverhohlene Botschaft an Vorstände und Aufsichtsräte lautet: Gehorcht und pariert – oder erklärt demütig, warum ihr vom Ideal abweicht und dem Kodex nicht „entsprecht“.

Ich bin überzeugt: Das ist angesichts unterschiedlicher Branchen, Größen, Geschäftsmodelle und Eigentümerstrukturen ein Irrweg. Wir brauchen kein starres Korsett; jedes Unternehmen muss seine eigene Governance entwickeln – und ein Kodex muss den Verantwortlichen helfen, statt sie zu bevormunden und damit einen bürokratischen Habitus zu fördern.

Photo by Gajus @ stock.adobe.com

Kodex & Kultur: Hilfe zur Selbsthilfe

Machen wir uns nichts vor: Viele Vorstände und Aufsichtsräte überlassen die Themen Governance-Kodex und Entsprechenserklärung derzeit ihren Juristen, statt zu überlegen und zu diskutieren, was die beste Lösung für ihr Unternehmen wäre.

Das wäre aber der Schlüssel für eine bessere Unternehmenskultur und -führung und angesichts großer Herausforderungen im Zuge der digitalen Transformation wichtiger denn je. Doch wie können wir positive Anreize schaffen, über Governance-Themen nachzudenken und zu diskutieren? Wie können wir Unternehmen helfen, wieder intensiver auf sich selbst zu schauen und ihre individuelle Kultur zu entwickeln?

Mein Vorschlag: Wir sollten den Unternehmenskodex in den Mittelpunkt rücken. Dazu brauchen wir auf übergeordneter Ebene kein starres Korsett wie den aktuellen DCGK: Gefragt sind prägnante Leitlinien, die Orientierung geben, wie der Firmenkodex aussehen kann, um das Unternehmen noch besser zu machen – mit Blick auf den internationalen Wettbewerb und die digitale Zukunft.

Anders formuliert: Der DCGK müsste Hilfe zur Selbsthilfe sein. Wie er dazu aussehen könnte, habe ich vor einiger Zeit hier aufgeschrieben.

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