#CampQ19

Mit Mut und Haltung in die Zukunft führen

QUER GEFRAGT – 8 Fragen an den Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann Stiftung Aart De Geus

 

Herr De Geus, was bedeutet Mut für Sie?

Mut ist die Tugend, den besseren Weg zu gehen, statt den einfachsten.

Warum braucht es gerade jetzt in unserer Gesellschaft Mut und Rückgrat in der Führung?

Gerade vor dem Hintergrund der Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung oder dem Demographischen Wandel ist eine mutige Führung wichtig. Es kann oft einfacher sein, abzuwarten, und zu sehen, wie die Zukunft sich entwickelt. Besser ist es allerdings, Entscheidungen zu treffen. Das ist oft mit einem gewissen Risiko verbunden.

Dafür braucht man Rückgrat, und auf dem Weg muss man die Menschen mitnehmen.

Was glauben Sie, was Menschen davon zurückhält, mutig zu sein?

Möglich wäre eine Erfahrung in der Vergangenheit, bei der man für riskante Entscheidungen einen zu hohen Preis bezahlt hat. Ein anderer Grund könnte die Angst vor Konflikten sein. Es ist doch so: Wenn man nicht den einfachen Weg geht, hat man manchmal nicht nur Freunde.

Was war das Mutigste, das Sie je gemacht haben?

Ganz persönlich: Die Kita Reform in Holland 2005, weil es sowohl für die Finanzierung von Kitas und für die Qualitätssicherung anfangs keine Mehrheiten im Parlament gab und auch keine Übereinstimmung im Koalitionsvertrag. Aber ich war der Überzeugung, dass es der einzige Weg ist, um den Mangel an Kita-Plätzen effektiv zu bekämpfen.

Geht Mut für Sie automatisch mit Angst einher?

Angst steht Vertrauen gegenüber. Mut gegenüber steht Versagen.

Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung, um Mut zu haben. Aber das allein reicht nicht, man muss auch handeln. Man muss den besten Weg kennen und ihn dann aber auch gehen.

Wer ist die mutigste Person in Ihrem Leben?

Ich lasse mich von Jesus inspirieren. Er hat seinerzeit die Dinge anders betrachtet und Mut bewiesen.

Wem wünschen Sie mehr Mut?

Wenn Verantwortung zunimmt, nehmen auch Risiken zu. Damit kann intrinsischer Mut verloren gehen. Ich wünsche allen Machthabern und Führungskräften den Mut, den sie hatten, bevor sie 30 Jahre alt waren.

Photo by Porapak Apichodilok @ pexels.com
Sie als Mut-Macher – was passiert da?

Wir leben in einer Kultur, in der Schwarzmalerei Alltag ist. Ein Teil meiner Arbeit ist es, eine andere, durchaus positive Perspektive sichtbar zu machen.

Mut machen heißt auch, Schwierigkeiten gemeinsam mit anderen zu bewältigen. Gleichgesinnte Personen zu finden und im Team Lösungen zu finden.

Wichtig ist dabei, Dinge in kleinen Schritten anzugehen. Schwierige Dinge brauchen einen Prozess. Manchmal ist dieser Zeitraum etwas länger, aber diese Zeit muss man sich nehmen.

 



Kommentar verfassen