#CampQ19
Digitale Transformation

Was braucht es für eine erfolgreiche digitale Transformation?

Der nachstehende Blogbeitrag erscheint im Rahmen unserer Blogserie zum Camp Q – Die Leadership Konferenz für Querdenker (10. April in Berlin):

 

Ein Plädoyer für mehr digitalen Spieltrieb und den richtigen Mix aus Strategie und Leidenschaft

Was hört sich so richtig modern an, ist ein wahnsinnig tolles Buzzword, müsste eigentlich von allen Unternehmen dringend gelebt werden und ist doch bei so vielen noch immer ein lebloser Begriff in einer leeren Hülle? Richtig: die digitale Transformation.

Dabei sind sich doch eigentlich alle einig, wie überlebenswichtig dieser Wandel für weite Teile unserer Wirtschaft ist. So kam gerade eine GfK-Studie zu dem Schluss, dass fast zwei Drittel (62 Prozent) der deutschen Unternehmen ab 250 Millionen Euro Jahresumsatz die digitale Transformation zu den drei wichtigsten Firmenzielen zählt. Im Vorjahr waren es erst 50 Prozent. Die Mehrheit der Manager scheinen die Zeichen der Zeit mittlerweile erkannt zu haben.

Neben der grundsätzlichen Erkenntnis der Relevanz verbesserte sich auch die Selbsteinschätzung: Im Vorjahr sahen sich erst ein Drittel der Unternehmen „sehr gut“ oder „gut“ bei der Digitalisierung aufgestellt, jetzt sind es 42 Prozent. Die Analysten der GfK bemängelten allerdings auch, dass die Ergebnisse zeigten, was für eine „deutliche Diskrepanz zwischen Eigenwahrnehmung der deutschen Unternehmen und den realen Herausforderungen durch die Digitalisierung“ existieren würde.

Mut

Das Management muss die digitale Transformation nicht vorleben

Die logische Anschlussfrage in diesem Fall lautet nun: Wie geht man die digitale Transformation an? Wie muss sich ein Unternehmen aufstellen, damit es den Mitarbeitern auch wirklich das Gefühl vermitteln kann, wie wichtig der Wandel ist, dass dieser Wandel wirklich gewollt ist und auch gelebt wird?

Bei aller agilen Romantik. Ein solches Vorleben geht nur von oben nach unten. Das Management muss die digitale Transformation nicht vorleben, sondern ganz praktisch und selbstverständlich leben. Tatsächlich kommt es auf den richtigen Mix aus Strategie und Leidenschaft an.

Denn wenn ich eine Sache in meiner über zehnjährigen Beratertätigkeit gelernt habe, dann ist es der Fakt, dass die digitale Transformation keine Aufgabe, sondern eine Haltung ist.

Deshalb fahren auch so viele große Berater-Companies den falschen Ansatz, wenn sie immer mit dem gleichen Playbook in ein Unternehmen einfallen und mit der gleichen Strategie versuchen das Unternehmen umzukrempeln und auf digital zu trimmen. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Die Gefahr des Scheiterns ist bei einem solchen one-size-fits-all-Vorgehen weit höher als bei einer individuell zugeschnittenen Strategie.

Es wird ein solcher Druck erzeugt, dass die Mitarbeiter und das Management sich gezwungen sehen, sich zu ändern. Ein echter Kulturwandel ist das aber nicht. Er ist nicht freiwillig und möglicherweise auch nicht nachhaltig.

Tatsächlich muss jeder Plan individuell abgestimmt sein und passen. Ein gutes Beispiel dafür ist KNF. Der Technologieführer für hochwertige Membranpumpen und Systeme für Gase, Dämpfe und Flüssigkeiten wurde 1946 in Freiburg gegründet. Ist selbst aber seit vielen Jahren in über einem Dutzend Länder aktiv und spricht seinen Ländertöchtern ein Höchstmaß an Selbstständigkeit zu.

Für ein solches dezentrales Unternehmen haben wir eben keine Standard-Strategie entwickelt, um auf den digitalen Wandel zu reagieren. Unter der Federführung des Geschäftsführers und CMO der KNF Gruppe, Reto Furrer, entschloss sich das Familienunternehmen bewusst, auf den zusätzlichen Standort Hamburg und einem Co-Working-Space zu setzen und von dort aus die digitale Transformation anzugehen. In einem solchen Raum wird eine junge und moderne Start-up-Kultur gelebt, die auf Vernetzung, Austausch, Zusammenarbeit und gegenseitiger Inspiration basiert.

Digitale Transformation
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Ein echter Digital Leader muss aus sich heraus diesen Spieltrieb entwickeln

Für einen solchen Schritt braucht das Top-Management Mut, Kreativität und einen gewissen Spieltrieb, Dinge auch einfach auszuprobieren.

Gerade was Letzteres betrifft, ist Deutschland noch immer ein technikfeindliches Land. Hier finden sich kaum Menschen, die wirklich neugierig einen neuen Service, eine neue Idee oder ein neues Gadget erst einmal ausprobieren, bevor sie ihr Urteil abgeben. Bestes Beispiel ist die Einführung von Apple Pay. Über vier Jahre nach dem US-Start und sogar erst zwei Wochen nach dem Launch in Belgien und Kasachstan startete der iKonzern seinen neuen Bezahldienst auch in Deutschland.

Mit einem solchen Mindset ist eine erfolgreiche digitale Transformation nur sehr schwer umzusetzen. Ein echter Digital Leader muss aus sich heraus diesen Spieltrieb entwickeln, neue technische Gadgets ausprobieren zu wollen. Er hat geradezu die Verantwortung immer auf dem neusten Stand zu sein und mit großer Lust neue Möglichkeiten wenigstens zu ergründen.

Deshalb mein ganz persönlicher Aufruf: Gehen Sie raus, seien Sie mutig und probieren Sie aus. Es lebe der Spieltrieb!



Kommentare

  1. / von Frank Druhm

    Meine Interpretation: Das Beispiel erscheint mir großartig, weil es zwei Praktiken verbindet, deren gegenseitige Störungen in der Distanz aufgearbeitet, dann in der Nähe durch Koorperation verarbeitet werden können. Ich kann mir darin die adäquate Anwendung der Prinzipien von Prototyping – explorative und productive – als akzeptierten Weg zu neuer Struktur vorstellen. Derart wird die Konjunktion von strategischem und operativem Spielen möglich. Bei den Betroffenen steht nicht Zerstörung ihrer Arbeit, sondern Störung durch (Teil-) -Ergebnisse im Blick. Das funktioniert, weil der distanzierte Ansatz gute Kommunikation mit geringem Emotionasfaktor erfordert, also einen Dialog ingangsetzt.
    Haltung wird in der Lösung von Aufgaben sichtbar.

    1. / von Willms Buhse
      zu

      danke – ja genau

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