Surfer in einer Welle - EpicStockMedia/Shotshop.com

Digitalisierung – Die Welle lässt sich surfen!

„Die Digitalisierung – Ein Tsunami?“

Vereinfachung der Kommunikations- und Arbeitsprozesse mit Slack und Trello? Ein CEO, der Stahl über einen Online-Shop verkauft? Ein Politiker, der Vor- aber auch Nachteile der Beteiligung durch Social Media abwägt? Eine Führung von Mitarbeitern im Hoody und per Mausklick? Der Blick in die Augen der anwesenden Führungskräfte auf der Konferenz zum Thema „Zukunftsfähige Führung im digitalen Zeitalter“ verriet einiges: Verwunderung, manchmal Skepsis, vor allen Dingen aber Neugier. Das Alumni-Meeting in Berlin, mit einer Mischung aus Vorträgen, Workshops und Networking für Führungskräfte, die sich zuvor hinreichend mit Change Management und Unternehmenskultur auseinandergesetzt haben, wies auf für die Dringlichkeit, dem Thema „Digitalisierung“ in den Unternehmen endlich die Bedeutung beizumessen, die es benötigt und Führungskräfte in die Verantwortung zu nehmen, diesen Wandel in ihrer Organisation anzustoßen und aktiv mitzugestalten. Was bleibt, ist die Frage: Wie bereit ist jeder Einzelne, alte Muster zu durchbrechen, in traditionellen, hierarchisch geführten Unternehmen mutige Entscheidungen zu treffen, Ideen einfach auszuprobieren und möglicherweise früh zu scheitern bzw. Erfolgskriterien aus der Vergangenheit über Bord zu werfen?

In den sich anschließenden Vorträgen von Frau Professorin Isabell Welpe von der TU München und Dr. Ole Wintermann aus der Bertelsmann Stiftung wurde die Dramatik hinsichtlich des Entwicklungsstandes der digitalen Wirtschaft in Deutschland deutlich: Deutschland fällt bei der Marktkapitalisierung der Unternehmen der digitalen Wirtschaft im Ländervergleich dramatisch ab. Einzig und allein die USA nehmen hier, im Vergleich zu den im Allgemeinen wirtschaftlich starken Ländern Deutschland, Schweden und Südkorea, eine herausragende Stellung ein. Die drei wichtigsten Elemente einer erfolgreichen digitalen Transformation seien daher, laut Welpe, (1) Die Einbeziehung von Kundenerfahrungen (2) Die vollständige Automatisierung von Prozessen (3) Geschäftsmodell-Innovationen. Was den Untersuchungen zufolge überraschenderweise keine Rolle spiele, sei die Ausstattung mit neuesten Techno- logien. Sollte also die lange angenommene Behauptung „Vorsprung durch Technik“ nicht mehr stimmen?

Nach Auffassung von Dr. Ole Wintermann muss Deutschland dringend seinen Rückstand in Sachen Social Media aufholen. 80 % der Unternehmen nutzten heute noch das Fax, wohingegen sich lediglich 10 % mit Social Media auskennen würden. Sein Plädoyer an die Führungskräfte, sich stärker mit Sozialen Medien auseinanderzusetzen, um sowohl mit Kunden und Lieferanten, als auch in der eigenen Organisation schnell und unkompliziert zu kommunizieren, stieß nicht bei allen Teilnehmern auf offene Ohren. Hier und da war noch eine deutliche Abwehrhaltung gegenüber Twitter & Co. wahrnehmbar. So wurden beispielsweise mangelnder Datenschutz, Diktatur von Minderheiten oder die unsachgemäße Nutzung von Partizipations-Tools als potenzielle Probleme genannt.

Die Chancen der Kommunikation in Echtzeit und mit allen Stakeholdern werden, so scheint es also, noch nicht gesehen. Auch Argumente wie „Dafür habe ich einfach keine Zeit!“ spielen eine Rolle. Doch: wenn wir die Welle surfen wollen, braucht es auch hier ein Umdenken. Und das schnell.

Dass ein Umdenken der oberen Führungsebene spürbare Auswirkungen auf eine gesamte Organisation haben kann, verdeutlichte Gisbert Rühl, CEO von Klöckner & CO in seinem Vortrag zum Abschluss der Konferenz. Ein Online-Shop für Stahl und die hierarchielose Kommunikation mit seinen Mitarbeitern sind nur zwei Ergebnisse, die Rühl als Meilenstein auf dem Weg ins digitale Zeitalter vorweisen kann. Führung muss Kreativität freisetzen, mutige Entscheidungen fördern und das Arbeiten in Netzwerken ermöglichen. Dabei kommt es nicht wirklich darauf an ob wir es „transformationelle“ oder „digitale“ Führung nennen. In beiden Fällen ist es dringend notwendig, umzudenken und im Sinne der klassischen Organisations- entwicklung Veränderung zu gestalten. Die Digitalisierung fordert diese neue Form der Führung auf radikale Weise und ohne Kompromisse ein. Sie kann folglich die unternehmensinternen Prozesse und notwendigen Veränderungen beschleunigen, vorausgesetzt wir sind bereit, die Welle auch zu surfen.

Während der Konferenz wurde auch deutlich, dass die Sehnsucht nach Orientierung und Entschleunigung in unserem Arbeitsalltag groß ist. Der Wunsch nach Besinnung: eine zwangsläufige Begleiterscheinung der Digitalisierung? „Achtsamkeit‘“ ist eines der meistgehörten Worte an diesem Tag als Alternative zur Schnelllebigkeit beim Leben und Arbeiten – und auch beim Führen – im digitalen Zeitalter“. Vielen Führungskräften scheint dieses Thema mehr und mehr am Herzen zu liegen, da der zunehmende Druck sowohl auf sie selbst, als auch auf ihre Mitarbeiter den Wunsch nach einer ausgewogeneren Life-Balance laut werden lässt. Es stellen sich also die Fragen: Was leben Führungskräfte selbst vor? Und wie können sie sich und andere in diesem Zwiespalt führen?

Egal welche Schwerpunkte der Konferenz der einzelne Teilnehmer als Baustelle für sich und seine Organisation erkannt hat, es ist einmal mehr deutlich geworden, dass wir zwar einen Weg in eine digitale aber damit auch in eine unsichere Zukunft beschreiten. Wir wissen zwar sehr deutlich, dass wir Machtorientierung, Top-Down Führung und Silo-Strukturen nicht mehr wollen. Nur wie nutzen und entwickeln wir die neuen, digitalisierten Strukturen und lassen die alten los?

Die Digitalisierung kommt in der Tat wie ein Tsunami auf uns zu: durch eine Informations- schwemme, durch eine nie gekannte Effizienz und Transparenz in der Dokumentation von Prozessen und Verhalten, durch den Wegfall der alten Welt und das Auftauchen neuer Geschäftsmodelle. Deshalb gilt es, eine Kultur zu schaffen, in der der Mut zu Innovation, Trial-and-Error, eine hohe Fehlertoleranz und ehrliches Eingestehen derselben gelebt werden. Dann erhöht sich die Chance, auf der Welle der Digitalisierung mit zu surfen. Sie beugt der Ohnmacht vor und verhindert ein hartes Aufschlagen auf dem Meeresboden.

Eigentlich ist es nichts Neues: Lösen wir uns aus der Abwehrhaltung, nutzen wir die Dynamik der Welle und stellen uns mit beiden Beinen fest und dennoch ausbalancierend auf das Brett. Das Gewicht verlagernd und flink auf die Bewegung des Meeres reagierend werden wir dann auch die bevorstehenden Herausforderungen meistern können und maximal mit einem heftigen Muskelkater davonkommen.

Und mit diesen Worten: Danke! Unser Dank gilt allen Referierenden, die das Thema Digitalisie- rung aus unterschiedlicher Perspektive in den Blick genommen haben. Und nicht zuletzt den Teilnehmern, unseren Alumni, die uns 10 Jahre lang treu geblieben sind und den kontinuierlichen Austausch und ein großartiges Netzwerk ermöglichen.


Dieser Blog entstand im Zuge des Alumni Meetings 2016 der Executive Trainings von Creating Corporate Cultures. Was im Sommer 2006 mit einer ersten Gruppe von 20 Führungskräften begann, wurde inzwischen 30 Mal mit großem Erfolg und ständig steigender Nachfrage wiederholt. Das Seminar mit außergewöhnlicher Lernarchitektur für Führungskräfte ist inzwischen für viele deutschsprachige groß- und mittelständische Unternehmen ein Muss. Sie entsenden regelmäßig ihre Führungskräfte, um sie auf Top-Führungspositionen vorzubereiten. 



Kommentare

  1. / von Blog | Creating Corporate Cultures | Digitalisierung: Coding Corporate Culture - Blog | Creating Corporate Cultures

    […] Klassische Führungskräfte und Manager werden durch solche Organisationsformen im Extrem-fall über…. (So wie auch Politiker). Ideen – und Umsetzungen – von sich selbst organisierenden beziehungsweise partizipativ oder demokratisch geführten Unternehmen sind natürlich nicht neu, erhalten aber durch diese Technologien ganz neue Möglichkeiten der Konstituierung und Realisierung. […]

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