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Krise

Opa, wie war das noch damals mit dieser Krise …. (Teil 1)

„Wenn Krisen ehrlich machen …“ – es ist nicht nur der Titel unseres digitalen Camp Q – der Leadership-Konferenz für Querdenker am 16. Juni 2020. Wir als Team des Kompetenzzentrums haben es auch als Einladung an uns selbst verstanden, sich Gedanken zu unseren Gefühlen und Einschätzungen zur Coronakrise aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu machen. Entstanden ist ein Kaleidoskop aus fachlichen Betrachtungen und persönlichen, oft einfühlsamen Eindrücken. Denn, diese Krise hat viele Gesichter. Aber vor allem verbergen sich dahinter Menschen … Mit mehreren Blogbeiträgen möchten wir nicht zuletzt dazu einladen, sich mit eigenen Gedanken zu beteiligen.


 

Wer gesellschaftlichen Zusammenhalt will, muss es nun beweisen. Wie Führung zukünftig agiert, entscheidet sich heute. Arbeitswelt und Unternehmenskultur der Zukunft werden jetzt gestaltet. Sich Bilder auszumalen, wie man sich die Zeit nach der Krise vorstellen könnte, kann sehr hilfreich sein. Weil man heute damit beginnen muss, das umzusetzen, wonach uns zukünftige Generationen beurteilen werden: nach unserer Verantwortung und unserer Haltung in dieser Zeit.

Stellen wir uns also einmal vor, nach der Corona-Krise sind 10, 12 Jahre ins Land gegangen. Man ist älter geworden und kann mit etwas Abstand auf die damalige Situation blicken. Stellen wir uns zudem vor, dass wir von der Enkelgeneration nach unserer Rolle in der Krise und vor allen Dingen nach unserem Verhalten damals gefragt werden. Wie würde dann so ein Gespräch verlaufen, was hätten wir zu erzählen, wie würde unsere Rolle in der Geschichte aussehen … so oder doch anders?

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Enkel: Opa, mir ist langweilig ….

Opa: Dann komm´ mal her.

Enkel: Erzähl´ doch noch mal. Wie war das damals mit dem Cora-Virus?

Opa: Ja, das war eine verrückte Zeit. Die Menschen haben sich schon komisch benommen. Es ging vieles drunter und drüber … Aber das Virus hieß Corona. Corona

Enkel: Ist das Virus eine Frau?

Opa: Nein, es wurde allgemein so genannt. Offiziell hieß das anders, mit Abkürzungen und Zahlen dahinter. Tja, da redeten alle über künstliche Intelligenz, und dann kommt da so ein klitzekleines Virus …

Enkel: Und was hatte das alles mit dem Toilettenpapier zu tun?

Opa: Gute Frage, Enkel. Eigentlich gar nichts. Das konnte sich keiner so richtig erklären. War wohl psychologisch. Menschen reagieren in Ausnahmesituationen oft komisch und anders, als man es erwartet. Manchmal eben auch ohne Sinn und Verstand.

Enkel: Aber Oma und du, ihr habt kein Klopapier gehamstert?

Opa: Na ja, ganz ehrlich. So vier Pakete hatten wir auch organisiert. Wir haben so getan, als wenn wir nicht zueinander gehören. Ich weiß: Nicht die feine Art. Aber so war das damals … bevor alles weg war und man gar nichts hatte. Irgendwann fängt man selber an durchzudrehen.

Enkel: Musstest du denn gar nicht mehr zur Arbeit ins Büro?

Opa: Ach, da gab es gerade den großen Trend um New Work. Die Arbeitswelt sollte eine ganz andere werden. Man arbeitete von unterwegs oder von zuhause. Mittags kam die Ansage vom Chef, bis abends hatten wir die Klamotten zu packen. Wir wurden alle von einem Tag auf den anderen nach Hause ins Homeoffice geschickt.

Enkel: Oh, den ganzen Tag zuhause? Cool! Den ganzen Tag am Computer?

Opa: Na, es musste aber gearbeitet werden. Und die Schüler mussten übrigens auch am PC zuhause lernen und ihre Hausaufgaben machen.

Enkel: Wie alle? Alle haben zuhause gearbeitet?

Opa: Nee, nicht alle! Das wäre ja nicht gegangen. Ich war auch ehrlich gesagt froh, dass die Müllmänner, das Personal in den Supermärkten und die Altenpflegerin bei unserer Nachbarin kein Homeoffice gemacht haben. Und denk´ mal an das ganze Personal in den Kliniken? Die hatten sowieso meinen größten Respekt. Denkt heute kaum noch einer dran, was die damals geleistet haben.

Enkel: Und wie war das mit dem Homeoffice?

Opa: Zuerst fanden die Leute das wirklich cool. Hat denen zunächst Spaß gemacht. War ja auch mal interessant, im Hintergrund zu sehen, wie die so wohnen.

Enkel: Wo hast du denn gesessen?

Opa: Hier am Esstisch mit dem Foto von Oma im Hintergrund. Sie musste sich immer an der Kamera vorbei aus dem Bild mogeln. Aber so nach zwei, drei Wochen waren es die Leute dann irgendwie auch leid.

Enkel: Wieso?

Opa: Die Party war vorbei. Die Leute begannen, sich nach ihrem Büro zu sehnen. Nach ihren Kollegen. Und nach einem kleinen Plausch an der Kaffeemaschine. Oder mal ein bisschen zu lästern. Denen fiel die Decke auf den Kopf. Immer vor dem Bildschirm oder am Telefon hocken.

Enkel: Kenne ich. Ich spiele ja auch lieber mit Peter und Vanessa zusammen draußen.

Opa: Draußen ist ein gutes Stichwort. Wir durften ja lange nicht raus. Immer in den eigenen vier Wänden bleiben – da geht man sich dann doch irgendwann schon mal gegenseitig auf die Nerven.

Enkel: Habt ihr euch gestritten, Oma und du?

Opa: Na klar, du kennst uns doch! Wenn man gerade in der Videokonferenz war, konnte Oma einen mit ihren Kommentaren schon mal auf die Palme bringen. Ich bin dann einfach abends heimlich nach draußen vor die Tür gegangen.

Enkel: Das war doch verboten? Die Polizei hätte dich ins Gefängnis stecken müssen, Opa?

Opa: Ach, lieber Enkel, das war doch eine ganz andere Zeit, sowas hast du noch nicht miterlebt. Gott sei Dank. Viele Menschen sind auch gestorben. In Italien, China, aber auch bei uns, in unserer Stadt.

Enkel: Aber hat denn diese Frau Merkel damals nichts dagegen gemacht?

Opa: In der Krisenzeit hätte ich, ehrlich gesagt, nicht in der Haut von Frau Merkel und den anderen Politikern stecken wollen. Wir hatten ja sozusagen 80 Millionen Virologen in unserem Land, die alles besser wussten … vor allen Dingen im Nachhinein, da ist man sowieso immer klüger.

Enkel: Fies. Aber die Leute haben doch auch auf den Balkonen gesungen und geklatscht?

Opa: Das war ja auch nett gemeint. Tat den Menschen gut, war Balsam für die Seele. Und eine schöne Anerkennung für das Klinikpersonal und die anderen. Aber geholfen hat es den Kranken am Ende auch nicht richtig. Man brauchte ja Betten im Krankenhaus, Masken und Desinfektionsmittel.

Enkel: Masken?

Opa: Ja, Masken fürs Gesicht. Die waren damals knapp. Die kamen ja aus China. Darum haben sich die Menschen fast gekloppt. Merk´ dir: In solchen Situationen kannst du den wahren Charakter eines Menschen erkennen. Das werde ich auch so schnell nicht vergessen.

Enkel: Wieso?

Opa: Na ja, ich kann es ja nicht beweisen, aber gegenüber im Haus, da wurden abends immer so komische Päckchen angeliefert. Und ein paar Reiche, habe ich den Verdacht, haben sich auch gerade noch rechtzeitig die Taschen vollgestopft oder ihr Vermögen in Sicherheit gebracht.

Enkel: Das ist echt gemein! Und da konnte man nichts machen?

Opa: Es war halt die Zeit. Jeder musste schauen, wo er bleibt. Da ging auch schon mal ´ne Scheibe im Supermarkt und beim Auto zu Bruch. Es wurden ja immer auch schnell Sündenböcke gesucht.

Enkel: Aber da haben Oma und du doch hoffentlich nicht mitgemacht?

Opa: Wir haben angefangen, uns zu engagieren. Wir waren damals ja noch jünger und konnten Sachen für ältere und hilfsbedürftige Menschen erledigen. Einkäufe vor die Tür stellen, wir durften ja nicht ins Haus. Oma hat abends noch Dutzende von diesen Masken genäht, dafür hatte sie ein Händchen.

Enkel: Aber jetzt ist ja alles wieder gut, oder?

Opa: Die Krise wirkt noch nach. Man fragt sich: Hätte man mehr oder was anders machen können? Und ja, ich habe nicht vergessen, wie sich manche Menschen benommen haben – im Positiven wie leider auch im Negativen. Nein, sowas bleibt hängen. Am Ende wurden wir aber alle richtig kreativ im Umgang mit der Krise. Da herrschte sogar eine Art von Aufbruchstimmung.

Enkel: Aber Oma und du, ihr ward bestimmt bei den Guten.

Opa: Da musst du die Anderen fragen. Wir haben getan, was wir für richtig hielten. Es wird Zeit für dich, ins Bett zu gehen. Ich erzähle morgen weiter … aber so war das damals.

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Sehen so die Geschichten aus, die Großeltern später ihren Enkeln, Onkel und Tanten ihren Nichten und Neffen erzählen werden? Die IHR erzählen wollt? Wie würde man in der Retrospektive wohl auf uns und diese Zeit schauen? Es liegt an uns, welche Bilder und Erinnerungen am Ende in unseren Köpfen von der Krise bleiben und an nächste Generationen weitergegeben werden.

Oder noch wichtiger: Mit welchen Bildern möchte man selbst und die eigene Rolle in Verbindung gebracht werden? Es ist eine interessante Übung, sich hier und jetzt vorzustellen, wie man in 10, 15 Jahren sich und die Zeit bewertet wissen möchte. Noch können wir dieses Bild mitgestalten. Wenn ihr später positiv wahrgenommen werden wollt, müsst ihr heute was ändern!

Also fragt euch: Welche Geschichte wollt IHR später mal erzählen oder über EUCH hören? Welche Erinnerungen und welche Bilder weitergeben? Also, gestaltet EURE Geschichte aktiv mit – jetzt!



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